Viele Schulen, gerade Grundschulen mit Ganztag, setzen heute auf Individuelle Lernzeit statt klassischer Hausaufgaben, gerade weil der traditionelle Sinn von Hausaufgaben im Grundschulbereich in der Forschung sehr umstritten ist. Studien zeigen, dass Hausaufgaben bei Grundschulkindern oft kaum positive Effekte auf die Lernleistung haben und dass die erwartete Verstärkung des Lernens durch die Arbeit zu Hause nicht zuverlässig belegt ist. Einige Wissenschaftler kommen sogar zu dem Urteil, dass Hausaufgaben in der Grundschule praktisch keinen Effekt haben, weil sie nicht gut vorbereitet sind und zu Hause oft nur schwer begleitet werden können.
Ein Grund für das Schulkonzept „Individuelle Lernzeit“ ist, dass traditionelle Hausaufgaben oft dazu führen, dass Eltern die Aufgaben übernehmen oder korrigieren müssen oder Kinder ohne Hilfe feststecken. Untersuchungen zeigen, dass die Unterstützung durch Eltern im Grundschulalter nicht unbedingt mehr Lernerfolg bringt und teilweise gar keinen messbaren Einfluss auf den schulischen Erfolg hat.
Der große Vorteil der Individuellen Lernzeit liegt darin, dass diese innerhalb des Schultages und unter professioneller Begleitung stattfindet. Kinder arbeiten an eigenen Aufgaben, die auf ihren aktuellen Lernstand zugeschnitten sind und im richtigen Moment erklärt oder unterstützt werden können. Lehrkräfte sind direkt ansprechbar und können erkennen, wo ein Kind Schwierigkeiten hat und sofort helfen, was bei Hausaufgaben zu Hause oft nicht möglich ist.
In der Individuellen Lernzeit können zum Beispiel Aufgaben aus dem Wochenplan bearbeitet werden, Lernspiele genutzt werden, Lesezeit eingeplant werden, Lernvideos oder Übungsstationen bearbeitet werden oder kleine Projekte entstehen. Kinder können selbst entscheiden, welche Aufgabe sie als Nächstes bearbeiten, wie lange sie sich mit einer Aufgabe beschäftigen möchten und in welchem Tempo sie arbeiten. Das fördert Selbstständigkeit und Vertrauen in eigenes Lernen, weil nicht nur ein Ergebnis zählt, sondern der Lernweg selbst erlebt und reflektiert wird.
Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Lernzeit alle Kinder erreicht, unabhängig davon, wie die häuslichen Bedingungen sind, ob Eltern Zeit haben oder nicht oder ob es zu Hause eine ruhige Lernumgebung gibt. Das trägt zur Chancengleichheit bei und entlastet Familien vom Druck, am Nachmittag zusätzlich Lernen begleiten zu müssen.
Zusammengefasst bietet die Individuelle Lernzeit im Schulalltag allen Kindern die Möglichkeit, Lernen dort zu machen, wo sie die beste Unterstützung bekommen, und zwar in der Schule selbst, ohne die bekannten Probleme und Nachteile vieler Hausaufgabenmodelle.