In den Klassen 1 und 2 haben die Kinder 4x in der Woche ILZ (Individuelle Lernzeit). Hier werden Lerntechniken vermittelt, die Kinder arbeiten an Projekten oder an ihren individuellen Stärken und Lernchancen.
In Klasse 3 und 4 werden die Kinder 1-2mal in der Woche an Hausaufgaben herangeführt und arbeiten 45 Minuten an Aufgaben.
Jedes Kind darf vor Schulbeginn Wünsche äußern mit wem es in die Klasse möchte. Mindestens einer der Wünsche wird auf jeden Fall erfüllt (meist schaffen wir mehr). Am Kennenlernnachmittag werden die Klassenleitung und das Klassentier vorgestellt, sodass alle wissen wie es nach den Ferien in der Schule startet.
Jedes Einschulungskind bekommt in den Sommerferien Post. Neben Materialliste und allgemeinen Informationen, findet sich in der Post auch der Brief der Schulpatin oder des Schulpaten. Kinder aus dem 4. Schuljahr begleiten die neuen ersten Klassen in der Anfangszeit - oft entstehen Verbindungen für das ganze erste Schuljahr. In den Patenstunden wird zusammen gelernt, gelesen und der Schultag gemeistert.
Mit der Einschulung beginnt für Ihr Kind ein neuer Lebensabschnitt. Vieles ist neu: der Klassenraum, die Lehrkräfte, andere Kinder, Unterricht, Pausen und neue Regeln. Eltern fragen sich deshalb oft: Was muss mein Kind schon können? Was passiert, wenn es noch Schwierigkeiten hat? Und lernen eigentlich alle Kinder dasselbe?
Die wichtigste Antwort lautet: Kinder müssen bei der Einschulung nicht alle das Gleiche können. Die Grundschule in Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule kommen. Manche Kinder lesen bereits erste Wörter, andere kennen erst einige Buchstaben. Manche rechnen schon sicher, andere benötigen noch viele konkrete Materialien. Auch beim Sprechen, bei der Konzentration, bei der Selbstständigkeit oder im Umgang mit anderen Kindern gibt es große Unterschiede.
Ein wichtiges Prinzip der Grundschule in NRW ist deshalb die individuelle Förderung. Das bedeutet: Die Lehrkräfte schauen darauf, was ein Kind bereits kann, wo seine Stärken liegen und wobei es noch Unterstützung benötigt.
Nicht jedes Kind muss also zu jedem Zeitpunkt genau dieselbe Aufgabe auf dieselbe Weise bearbeiten. Im Unterricht können Kinder zum Beispiel unterschiedlich schwierige Aufgaben, zusätzliche Hilfen, mehr Übungszeit oder anspruchsvollere Aufgaben erhalten.
Förderung bedeutet dabei nicht nur, Kindern bei Schwierigkeiten zu helfen. Auch Kinder, die besonders schnell lernen oder in einem Bereich besondere Stärken zeigen, sollen passende Herausforderungen bekommen.
Die Grundschule hat den Auftrag, ein eigenes Förderkonzept zu entwickeln. Dazu gehören unter anderem die Beobachtung der Lernentwicklung, die Feststellung von Lernständen und die Planung geeigneter Fördermaßnahmen.
Wichtig für Eltern:
Ihr Kind wird nicht daran gemessen, ob es beim Schulstart genauso weit ist wie andere Kinder. Entscheidend ist, wie es sich entwickelt und welche nächsten Lernschritte sinnvoll sind.
Die Klassen 1 und 2 bilden in NRW die sogenannte Schuleingangsphase.
Normalerweise durchlaufen Kinder diese Phase in zwei Jahren. Ein Kind kann sie aber auch in einem Jahr oder in drei Jahren durchlaufen. So kann die Grundschule auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten reagieren.
Das bedeutet zum Beispiel: Ein Kind, das für seine Entwicklung mehr Zeit benötigt, kann drei Jahre in der Schuleingangsphase bleiben. Dieses zusätzliche Jahr ist ausdrücklich Teil des Systems und soll dem Kind die Zeit geben, die es zum Lernen braucht. Umgekehrt kann ein besonders weit entwickeltes Kind unter bestimmten Voraussetzungen bereits nach einem Jahr in die Klasse 3 wechseln.
Ob die Klassen 1 und 2 getrennt oder jahrgangsübergreifend unterrichtet werden, entscheidet die jeweilige Schule im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.
Die Schuleingangsphase soll deshalb nicht nach dem Grundsatz funktionieren: „Alle Kinder müssen gleich schnell lernen.“
Sondern: „Jedes Kind soll die Zeit und Unterstützung bekommen, die es für eine gute Grundlage benötigt.“
Vielleicht ist für Eltern die wichtigste Botschaft:
Ihr Kind muss bei der Einschulung noch kein fertiges Schulkind sein.
Es muss noch nicht perfekt lesen, schreiben oder rechnen können. Genau dafür geht es zur Schule. Hilfreich ist vielmehr, wenn ein Kind neugierig ist, Fragen stellt, zuhören kann, zunehmend selbstständig wird, mit anderen Kindern umgehen lernt und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelt.
Die Aufgabe der Grundschule besteht darin, daran anzuknüpfen.
Kinder dürfen unterschiedlich sein.
Kinder dürfen unterschiedlich schnell lernen.
Kinder dürfen Fehler machen.
Kinder dürfen Hilfe benötigen.
Kinder dürfen besondere Stärken haben.
Genau darin liegt ein zentraler Gedanke der Grundschule in Nordrhein-Westfalen: gemeinsame Bildungsziele – aber individuelle Wege dorthin.